Narbenkorrektur

Die Haut besitzt sogenannte Spannungslinien, die für die Narbenbildung (und auch für die operative Narbenentfernung) wichtig sind, denn wenn eine Narbe genau in der Spannungslinie der Haut verläuft, bleibt sie in der Regel unauffällig. Verläuft sie jedoch im rechten Winkel zur Spannungslinie, muss davon ausgegangen werden, dass die Narbe deutlich zu sehen ist, da die Zugkraft stärker auf die Wundränder wirkt. In der Chirurgie wird stets versucht, die Nähte in Übereinstimmung mit den Spannungslinien der Haut zu setzen, damit eine bestmögliche Heilung gegeben ist und die Narbe später unauffällig bleibt. Vor allem in der Ästhetikchirurgie müssen Narben gut verheilen, weshalb mit besonders dünnem Nahtmaterial gearbeitet und häufig intrakutan (in der Haut) genäht wird, damit die Wundränder optimal aneinander liegen.

NARBENBILDUNG

Der Ablauf der Narbenheilung läuft in der Regel nach einem bestimmten Schema ab: In den ersten ein bis zwei Tagen nach einem Schnitt verkleben die Hautränder, zwischen dem dritten und achten Tag bilden sich Bindegewebsfasern. In den ersten sechs Monaten ist die Narbe noch derb, hart und gerötet, während des nächsten halben Jahres wird das Narbengewebe dann weicher, feiner und blasser. Dieser Heilungsprozess wird unter anderem durch Narbenmassage und Druckverbände beschleunigt (siehe unten).

Nicht bei allen Menschen verläuft dieser Prozess jedoch gleich und bei jedem können sich – auch bei noch so großer Sorgfalt – unauffällige Narben bilden. Manche Menschen reagieren mit sogenannten hypertrophen Narben, die wulstig und besonders stark sichtbar und ausgeprägt sind. Solche Narben ragen weit über das Niveau der umgebenden Haut hinaus. Insbesondere eine mangelnde Schonung der Wunde und die dadurch bedingten verstärkten Zugkräfte tragen zur Bildung hypertropher Narben bei; Kinder und Jugendliche sind besonders häufig betroffen. Bei einer solchen anormalen Narbenbildung ist nachträglich oft eine zwei Operation zur  Narbenkorrektur oder Narbenentfernung notwendig.

Andere Menschen neigen dazu, Keloide zu bilden. Hierbei handelt es sich um Narbenwucherungen, die sich nicht auf die Wunde beschränken. Es ist wichtig zu beachten, dass man bei einer bekannten Neigung zu Keloiden man von einer Ästhetikoperation absehen sollte.

ARTEN DER NARBENKORREKTUR

Für die Durchführung von Narbenkorrekturen gibt es verschiedene Möglichkeiten, die der jeweilige Situation entsprechend angewendet werden.

  1. Narbenentfernung durch den Laser. Laserstrahlen bewirken das Absterben der Zellen, wodurch derartig behandelte Narben schrumpfen. Besonders hypertrophe Narben, aber auch Aknenarben bessern sich durch eine Laserbehandlung deutlich. Häufig sind mehrere Sitzungen erforderlich.

  2. Narbenbehandlung durch Biomaterialien. Atrophe (eingesunkene) Narben werden mit Biomaterialien – beispielsweise Eigenfett, Rinderkollagen oder Hyaloronsäure – auf das Niveau der umgebenden Haut angehoben.

  3. Operative Narbenentfernung. Manche Narben sind so schlecht verheilt, dass sie nur noch operativ entfernt werden können. Besonders dann, wenn Narbenkontrakturen (stark zusammengezogene Narben) die Beweglichkeit einschränken, ist eine operative Narbenentfernung notwendig; allerdings kann nicht jede Narbe operativ entfernt werden.

  4. Narbenentfernung durch Dermabrasion. Bestimmte Narben, unter anderem Aknenarben, können mithilfe eines Diamantschleifers mit mehr als 30.000 Umdrehungen in der Minute abgeschliffen werden.

  5. Narbenbehandlung durch Bestrahlung. Um die Bildung eines erneuten Keloids zu verhindern wird die Narbe direkt nach der Operation bestrahlt und eine sogenannte Röntgenweichstrahltherapie durchgeführt.

  6. Narbenbehandlung mit Kortison. Auf diese Art werden in erster Linie hypertrophe Narben und Keloide behandelt, da Kortison die Produktion von Kollagen hemmt. Das Kortison wird dabei direkt in das Narbengewebe gespritzt.

  7. Narbenbehandlung mit Medikamenten. Kortison-, östrogen- sowie Vitamin-A-Säure-haltige Mittel und andere Medikamente (als Gel, Salbe oder Creme) hemmen die Kollagenproduktion und machen das Narbengewebe weicher. Um unschöne Narben zu erhalten, ist es sinnvoll, solche Medikamente schnellstmöglich anzuwenden (wenige Tage nach der Operation).

  8. Narbenentfernung durch Kryotherapie. Bei diesem Verfahren werden die Narben mithilfe von flüssigem Stickstoff vereist. Als Folge wird das Narbengewebe nicht mehr durchblutet, stirbt ab und kann später vorsichtig abgelöst werden. Dieses Verfahren ist für die Patienten völlig schmerzlos.

  9. Narbenbehandlung durch Drucktherapie. Im Zuge dieser Behandlung wird durch einen Verband kontinuierlich ein leichter Druck auf die Narbe ausgeübt; auf diese Weise wird hypertrophen Narben und Narbenkontrakturen vorgebeugt.

  10. Narbenbehandlung durch Silikon. Durch die Anwendung eines Silikonpflasters, einer Silikonfolie oder eines Silikongels sinkt das Risiko, dass Patienten hypertrophe Narben oder Keloide ausbilden.

  11. Narbenbehandlung durch Massage. Massagen können zu einer Schrumpfung des Narbengewebes führen, da leichte, ziehende Bewegungen Verklebungen des Narbengewebes lösen können und das Gewebe so geschmeidig gehalten wird – allerdings muss bei der Anwendung dieser Therapieform die Wundheilung bereits abgeschlossen sein.